Niklas Bschorer und Tom Tom Go beim CCI4* in Luhmühlen.  (© www.toffi-images.de)

Goldenes Reitabzeichen für Niklas Bschorer

Vielseitigkeitsreiter Niklas Bschorer wurde im Rahmen der Faszination Pferd in Nürnberg das Goldenen Reitabzeichen für seine Erfolge verliehen.

Der 20-jährige Niklas Bschorer war in diesem Jahr erstmals auf Vier-Sterne-Niveau unterwegs und wurde Neunter in Luhmühlen. Das brachte ihm einen Platz auf der EM-Longlist ein. Außerdem gehörte er zur siegreichen Nationenpreismannschaft in Houghton Hall (CICO3*) und wurde Vierter der Einzelwertung.

Erstmals international im Einsatz war Bschorer schon 2009, damals noch auf Ponys. Bereits 2010 stieg er allerdings um aufs Großpferd – nicht der einzige entscheidende Schritt in diesem Jahr für den damals 15-Jährigen. Denn mit dem Umstieg aufs Großpferd ging ein Umzug einher. Und was für einer! Bschorer packte seine Koffer und zog um nach England, ins Yorkshire Riding Centre von Chris Bartle. Dort lernte er nicht nur reiten, sondern ging auch zur Schule und machte sein Abitur. Seit 2014 ist er nun selbstständig und kann neben den eingangs bereits genannten auf einige Erfolge verweisen, für die er nun mit dem Goldenen Reitabzeichen ausgezeichnet wurde.

Interview Niklas Bschorer – Für Deutschland unterwegs, in Großbritannien zuhause

13.10.2015Niklas Bschorer ist erst 20 Jahre alt, gehört zur deutschen Perspektivgruppe Vielseitigkeit und ist einer der herausragenden jungen Sportler unseres Landes. In diesem Jahr hat der Sohn einer Tierarzt-Familie den Sprung in den A-Kader geschafft, für die Europameisterschaft war Niklas zweite Reserve. Dabei sah es noch vor einem Jahr nicht gut aus, die Sponsorensituation war schlecht, die Rückstufung in den B2-Kader unausweichlich. Doch der junge Mann, der seit fünf Jahren bereits in Großbritannien lebt und trainiert, kämpfte sich zurück – und zeigte sich besser denn je. Maßgeblich daran beteiligt ist auch sein Top-Pferd Tom Tom Go, der seinen Namen erhielt, weil er fast von allein den Weg durch die Geländehindernisse findet. 

Im Interview blickt Niklas Bschorer hinter die Kulissen seines Lebens, berichtet von seinem Liebling im Stall Tom, von seinem Alltag und warum es ihn von Bayern nach England zog.

Erstmal Gratulation zu einer super Saison bislang. Immerhin bist du für die Europameisterschaften in diesem Jahr zweite Reserve. Ist das für einen jungen Reiter wie dich schon ein richtig großer Erfolg?

Ja klar. Natürlich hätte ich mir gewünscht, bei den Europameisterschaften teilzunehmen, aber ich bin ja noch jung und habe noch ein paar Jahre vor mir. Im Moment freue ich mich auf meine Herbstturniere.

In diesem Jahr bist du auch im Rahmenprogramm der EM in Aachen an den Start gegangen. Was war es für dich für ein Erlebnis vor dieser Kulisse zu starten? Hast du dich im Nachhinein sehr über den Sprung geärgert, wo du ja außerhalb des Fähnchens warst du darum disqualifiziert wurdest?

Natürlich hat es mich sehr geärgert und ich habe es oft analysiert. Letztendlich war es ein Managementfehler, ich hätte es im Gelände ruhiger reiten sollen. Es ist immer schwer, sich gegen Reiter zu messen, die diesen Beruf schon seit vielen Jahren machen, aber nur durch diese Fehler lernt man und verbessert man sich.

Du lebst ja seit vielen Jahren in Großbritannien. Wie kam es zu diesem Schritt in jungen Jahren?

Ich wollte gerne eine zweite Sprache lernen und gleichzeitig weiter reiten und deswegen bin ich mit 15 nach England gegangen. Am Anfang stand Reiten eigentlich gar nicht so sehr im Vordergrund, da ich zur Schule ging und mein Abitur machte.

Bis heute trainierst du viel mit Chris Bartle. Denkst du, dass dieses Training ausschlaggebend für deinen Erfolg ist?

Chris spielt eine große Rolle in meiner Karriere, aber ich muss wahrscheinlich meinem Vater am meisten danken, da er mich von Anfang an unterstützt und ausgebildet hat und immer noch für mich da ist. Chris hat mir besonders beim Geländereiten geholfen und hat durch seine vielen Jahren an Erfahrung immer etwas Interessantes zu sagen.

Wie sehen die Unterschiede im Vielseitigkeitssport in Großbritannien und Deutschland aus? Großbritannien kennt man ja als Hochburg mit hochklassigen Turnieren wie Badminton und Burghley.

In England ist der Vielseitigkeitssport zu Hause und die Szene sehr viel größer. Die Turniere werden von professionellen Unternehmen organisiert. Dies macht sich vor allem in einem reibungslosen Ablauf bemerkbar, obwohl die Starterfelder mit mehreren hundert Pferden viel größer sind.

Wie sieht dein Alltag in Großbritannien so aus? Wie viele Pferde reitest du? Was machst du gern, wenn du mal nicht im Sattel sitzt?

Momentan habe ich fünf Pferde. Ich stehe jeden Morgen früh auf und füttere meine Pferde. Ich verbringe immer viel Zeit mit jedem einzelnen Pferd, da ich vor der eigentlichen Arbeit im Schritt ausreiten gehe. Freie Tage gibt es eigentlich nicht, da nahezu jedes Wochenende ein Turnier geplant ist. Falls mal etwas Zeit ist, gehe ich manchmal mit meinen Freunden Pferderennen anschauen. Das macht immer sehr viel Spaß.

Tom Tom Go ist ein außergewöhnliches Pferd, das vor allem im Gelände immer erstklassig unterwegs ist. Wo liegen für dich seine besonderen Stärken? Wie erlebst du ihn jenseits des Turnieralltags im Stall?

Tom ist mein Lieblingspferd im Stall. Er hat immer gute Laune und er liebt es, wenn man sich mit ihm beschäftigt. Er kann Türen und Reißverschlüsse öffnen und sich selber losbinden.

Tom ist ein wirklicher Alleskönner, ein überragender Springer, mit dem man nach der Dressur auch ganz vorne liegen kann.

Noch im vergangenen Jahr gab es bei dir größere Probleme. Kein Sponsor, Rückstufung in den B2 Kader, Verlust einiger Pferde an andere Reiter. Wie hast du diese Krise bewältigen können? Du bist ja schließlich stärker denn je zurückgekommen.

Mit dem Umzug in den Süden Englands Anfang des Jahres 2014 haben sich einige Veränderungen ergeben und sich mir neue Möglichkeiten eröffnet. Im Nachhinein hat sich dieser Schritt sehr positiv herausgestellt. Meine jüngeren Pferde haben einen großen Sprung nach vorne gemacht und meine erfahreneren Pferde haben sich auf dem 3* Niveau etabliert. Durch diese Erfolge konnte ich ein paar Sponsoren gewinnen und das macht mein Leben um einiges einfacher dieses Jahr. Deswegen möchte ich an dieser Stelle Nupafeed, Horseware, Swisswool, Roeckl, Helite und CWD danken.

Du hast also mittlerweile ausreichend Sponsoren gefunden? Jeder professionelle Reiter weiß ja, wie wichtig eine solche Unterstützung ist…

Durch die erfolgreiche Saison 2014, wurde ich 2015 wieder in den B-Kader und jetzt kürzlich in den A-Kader berufen. Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad in Deutschland habe ich einige Sponsoren für mich gewinnen können. Ich möchte nochmals für diese Unterstützung danken, da ich ohne sie nicht auf diesem Level reiten könnte.

Vermisst du manchmal Deutschland? Oder ist das für dich mit den ganzen Turnieren und dadurch Aufenthalten hier in Ordnung? Besuchst du deine Familie und Freunde häufig?

Ich bin die letzten Jahre immer für ein paar Monate während des Winters zurück nach Deutschland gegangen, aber da ich jetzt schon so lange in England wohne, habe ich hier eigentlich mehr Freunde und fühle mich sehr wie zu Hause.

Deine Eltern haben ja eine Tierarztpraxis. Sie sind ja auch beide Reiter, ebenso wie dein Bruder. War dadurch immer die Unterstützung für eine Karriere im Reitsport vorhanden?

Meine Eltern haben haben mich immer unterstützt, egal was ich machen wollte!

Wie sah dein Werdegang aus? Gab es auch Zeiten, in denen dich Pferde nicht so interessiert haben?

Pferde haben mich immer interessiert. Natürlich gab es auch eine Zeit, in der ich Tennis und Fußball gespielt habe, aber ich saß von Kindesbeinen an regelmäßig im Sattel. Da ich mit 15 nach England ging, habe ich nie die Junioren- oder Junge Reiter Laufbahn mitgemacht. Das ging leider nicht, da der Besuch der Sichtungsturniere und Lehrgänge zu aufwendig gewesen wäre.

Was fasziniert dich besonders an der Vielseitigkeit?

Für mich ist die Vielseitigkeit immer noch die Krone der Reiterei. Neben dem Training in der Dressur und Springen, ist es vor allem das Reiten im Gelände, das Galoppieren auf Rennbahnen und das Gefühl, wenn man in der Startbox steht und einem das Adrenalin durch die Adern pumpt einzigartig und macht süchtig.

Und was macht die Faszination Pferd allgemein für dich aus?

Es ist der spezielle Umgang mit dem einzelnen Pferd. Jeder Tag ist anders und man muss sich immer neu auf jedes Pferd einstellen.

Möchtest du nun Profireiter werden? Oder doch nach dem Abitur studieren? Deine Noten sollen ja sehr gut gewesen sein.

Nein, eine Karriere im Reitsport ist nicht geplant. Sosehr mir Pferde Spaß machen, möchte ich es nicht professionell machen. Ich werde nächstes Jahr anfangen in England zu studieren und ich werde noch genügend Zeit finden, um meine Pferde weiter zureiten.

Wohin soll es für dich in diesem und im nächsten Jahr gehen? Hast du schon feste Pläne und Ziele?

Diese Saison nähert sich ja schon dem Ende. Ich habe noch einige Turniere bevor all meine Pferde in die Winterpause begeben. Für nächstes Jahr ist als erstes Highlight natürlich wieder Badminton geplant. Ich habe eigentlich immer einen sehr flexiblen Saisonplan, da man mit Pferden nie genau planen kann. Wie schnell ist ein Eisen verloren und schon muss man den Plan ändern.

Gibt es für dich ein richtiges Vorbild in deinem Sport?

Ich habe viele Vorbilder, aber ich bewundere das Talent von Sir Mark Todd am meisten. Da er mir im Springen und auch auf Turnieren hilft, kenne ich ihn sehr gut. Trotz seiner großen Erfolge und seines Titels ist er sehr hilfsbereit und engagiert. Ich kann ihn jederzeit um Rat fragen.

Hast du einen Traum, den du dir unbedingt mal erfüllen möchtest?

Einen Traum an sich habe ich nicht. Ich stecke mir immer sehr hohe Ziele, die ich erreichen möchte. Da ich dieses Jahr schon auf den renommiertesten und größten Turnierplätzen der Welt geritten bin, wäre es natürlich ein Traum eines von diesen Turnieren zu gewinnen.

Interview: Alexandra Koch

Niklas Bschorer
Auch Shooting-Star Niklas Bschorer und Tom Tom Go haben sich als Reservisten für die Europameisterschaften qualifiziert. Foto: S. Lafrentz

Nicht einmal mehr drei Wochen sind es noch, bis die ersten Pferd-Reiter-Paare bei den Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter im schottischen Blair Castle in das Dressurviereck einreiten. Deutschland setzt bei der Mission Titelverteidigung auf Altbewährtes. 

Blair Castle/GBR – Vom 10. bis 13 September reiten die „Buschis“ in Blair Castle (GBR) bei ihren Europameisterschaften um die Medaillenränge. Für Deutschland gilt es, den Titel zu verteidigen, denn 2013 wurde das Team im schwedischen Malmö Europameister. Michael Jung und Halunke FBW holten dazu beim letzten Mal sogar noch Einzelgold für Deutschland. Größter Konkurrent wird Gastgeber Großbritannien sein, schließlich wurden die Briten seit Ewigkeiten nicht mehr auf heimischem Boden geschlagen.

Die Mannschaftsaufstellung könnte altbewährt bleiben, denn alle Mitglieder des Gold-Teams von 2013 sind auch nun wieder für die EM nominiert, und zwar: Michael Jung entweder mit fischerTakinou oder mit Halunke FBW, Ingrid Klimke entweder mit Horseware Hale Bob oder mit FRH Escada JS, Andreas Dibowski mit FRH Butts Avedon und Dirk Schrade mit Hop an Skip. Außerdem haben sich Weltmeisterin Sandra Auffarth mit Opgun Louvo, Bettina Hoy mit Designer und Peter Thomsen mit Horseware’s Barney für den EM-Start qualifizieren können. Andreas Dibowski mit mit FRH Butts Avedon, Niklas Bschorer mit Tom Tom Go und Claas Hermann Romeike mit Cato sind die Reservisten im Kader.

Insgesamt konnten sich 16 Nationen für die Europameisterschaften nominieren. Im Mannschaftswettbewerb sind neben Deutschland außerdem Großbritannien, Frankreich, Schweden, die Niederlande, Belgien, Dänemark, Italien, Polen, Russland und die Schweiz vertreten. Österreich, Tschechien und Finnland stellen jeweils Einzelreiter. -kia-

Bramham1Bramham2

Bramham3
Foto-1024x768
IMG_3552

IMG_3977

index Bericht: CIC***: Nur Paul Tapner war besser

index Bericht: Den Traum leben: 17-Jähriger Überflieger in England
index Bericht: Sensationeller 4. Platz bei erster Drei-Sterne-Prüfung
N1
N2
Niklas Somerford

Niklas Glanusk 001

Artikel FLZ

Niklas Somerford 2